Ein Flug mit X Welch eine technische Glanzleistung! Welch ein Hauch von Sience Fiction! Die Dornier Do X, das “größte Flugzeug der Welt” landet im Mai 1932 auf dem Müggelsee bei Berlin, nachdem sie einmal den Atlantik umrundet hat. Mit diesem Coup glaubt die deutsche Flugindustrie ihre führende Weltstellung bewiesen zu haben. Und die Propaganda im Mai ist beachtlich. Allein: das technisch beeindruckende Flugzeug wird anschließend nirgends in den Liniendienst übernommen. Insgesamt werden nur drei Exemplare gebaut. Mit der Do X krönt Claude Dornier seine erfolgreiche Wal-Baureihe. Die Do X ist wahrlich ein Schiff der Lüfte. Im Wesentlichen aus Metall konstruiert, sind grosse Teile der Flügel mit Leinenbahnen bespannt. Dornier hat seine Do X für den Atlantik-Luftverkehr konzipiert: Da bietet das Flugzeug innen einen Club-Stil-Luxus, bei dem selbst die echten Perserteppiche nicht fehlen. Die Größe der Do X übertrifft ohnehin alle bis dahin gültigen Dimensionen. Die für hundert Passagiere geplante Maschine beweist ihre Leistungsfähigkeit auf einem Werkstattflug 1929 überzeugend, als - inklusive blinder Passagiere - 170 Personen an Bord auf die Reise gehen. Eine damals unvorstellbare Dimension, die bis heute staunenden Respekt abnötigt.150 Fluggäste in einem Flugzeug werden erst mit dem wachsenden Flugverkehr der 60er Jahre zur Normalität. Der Werbeflug der Do X rund um den Atlantik - nach Rio de Janiero, nach New York und zurück nach Berlin - geht nicht ganz ohne Zwischenfälle ab, ist aber ein technischer und ein Marketingerfolg. Dennoch bleiben die Folgeaufträge aus. Und auch das existierende Flugzeug wird zwar der Luft Hansa übergeben, von dieser aber nie im Liniendienst eingesetzt. Schließlich landet die Do X bei der Versuchanstalt für Luftfahrt. Zwei weitere Do X werden für kommerzielle Einsätze nach Italien geliefert, dort aber dann von der italienischen Luftwaffe übernommen. Offenbar ist die Zeit für ein so großes Flugzeug noch nicht reif. Erst 1938 gelingt es Dornier, die Lufthansa für ein großes Passagierflugboot zur Atlantikquerung zu interessieren. Der Prototyp Do-214, seit 1939 entwickelt, muß aber 1943 verschrottet werden. So bleibt Pan Am die Ehre, den regulären Atlantikdienst im Juni 1939 mit dem 74sitzigen Flugboot Clipper 314 von Boeing eröffnet zu haben. (zuletzt bearbeitet am 27. Dezember 2002) |