Jumbo - der fliegende Elefant Unangefochten das Flaggschiff aller Fluglinien ist seit drei Jahrzehnten die Boeing 747. Dieser wagemutige, übergroße Vogel war wegen seiner unvorstellbaren Ausmaße in den 60er Jahren von Journalisten “Jumbo-Jet” getauft worden. Zur Jahrtausendwende nun macht sich Airbus anheischig, mit einem Super-Jumbo namens A 380 die 747 auszustechen. Boeing hält mit der gestreckten 747-X dagegen. Das Duell der Super-Jumbos wird verbissen geführt.
Boeing 747 So richtig kann man den wirtschaftlichen Wagemut der damaligen Unternehmensleitung in Seattle auch heute noch nicht fassen: Die 747 war bei Entwicklungsbeginn Mitte der 60er Jahre annähernd doppelt so groß wie die damals größte Boeing und eineinhalb mal größer als jedes andere Verkehrsflugzeug seiner Zeit. Die Herstellung der Jumbos verlangte zudem die Errichtung eines vollkommen neuen Werkes, weil die Maschine für die bestehenden Hallen deutlich zu groß war. Kalkül? Kühnheit? Die an der Entwicklung der 747 Beteiligten wurden bei Boeing “the Incredibles” genannt. Boeing sah sich Mitte der 60er Jahre unter verstärktem Wettbewerbsdruck. Douglas hatte die erfolgreiche verlängerte Sixty-Serie der DC-8 eingeführt. Dagegen eignete sich die 707 nicht so richtig zur Streckung. So setzte Seattle schließlich vieles auf eine Karte und schuf das ultimative Großraumflugzeug. Gewonnen haben die “Incredibles” schließlich alles: Der Jumbo Jet setzte sich am Markt durch, wurde ein beachtlicher Verkaufserfolg und zementiert bis zum heutigen Tage die führende Stellung von Boeing im Zivilflug. Inzwischen wurden über 1000 Jumbos gebaut. Mehr als Zweidrittel - so heißt es - würde die 747 zum operativen Gesamtergebnis der Boeing-Flugzeugsparte beitragen. Der Erstflug des Fluggigants fand am 9. Februar 1969 statt. Die aktuelle Variante ist die Boeing 747-400, die 1988 ihren Dienst aufnahm. Boeing 747-X Was drei Jahrzehnte lang unangefochten zur Spitzenposition der Flugindustrie reichte, könnte mit dem Beginn des neuen Jahrtausend enttront werden: Der geplante A380 des europäischen Konkurrenten Airbus soll den Jumbo an Größe deutlich übertreffen. Um dem entgegenzuwirken hat Boeing Mitte September 1999 angekündigt, die 747-X als gestreckte Variante der aktuellen 747 zu entwickeln. Der Verkaufsstrart ist inzwischen noch für 2000 vorgesehen. Die 747-X soll mehr als 500 Passagieren Platz bieten und ein Jahr vor der Airbus- Neuentwicklung auf den Markt kommen. Die Entwicklungskosten veranschlagt Boeing auf nur 4 Milliarden Dollar. Das Projekt soll bereits starten, wenn nur 20 Bestellungen vorliegen. Mit der gestreckten 747 sucht Boeing vor allem den Verkaufsstart des doppelstöckigen Airbus zu stören. Für ein komplett neu entwickeltes Großraumflugzeug sieht Boeing keine ausreichende Nachfrage. (zuletzt bearbeitet am 25. Juni 2000) |