Mut zur Großraum-Lücke Nach langem Zögern traut sich Boeing erst Ende der 70er Jahre, ein Großraumflugzeug für Mittelstrecken zu entwickeln: Die 767. Sie füllt die Lücke zwischen der übergroßen 747 und den schmaleren Modellen älteren und zeitgleich entwickelten Baumusters (707, 727, 757). Wie oft bei Boeing, ist das Timing glücklich: Der Markt wartet auf einen sparsamen und modernen Twinjet größerer Kapazität, der für die inneramerikanischen Transkontinentalflüge geeignet ist. Gleichzeitig entwickelt sich die 767 schnell zum meistgenutzten Flugzeug, mit dem der Atlantik von ost nach west überquert wird. So verkauft sich die 767 in beachtlichen Stückzahlen. Allerdings bleibt ihr Erfolg zunächst ein vorwiegend nationales Ereignis: die großen europäischen Airlines interessierten sich erst für die 1986 vorgestellte gestreckte Version 767-300 Boeing entwickelt die 767 parallel zur schmalen 757. Die Aerodynamik der Flügel, die Cockpiteinheit und die Flugsteuerung sind weitgehend identisch. Das erlaubt den Airlines, ihre Piloten ohne Umschulung auf beiden Modellen einzusetzen. Im Hinblick auf den Antrieb folgt Boeing einer Philosophie, die Airbus mit dem A 300 eingeführt hat: wegen ihrer Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit genügen auch bei Großraumflugzeuge für Mittel- und Langstrecken nur zwei Triebwerke. Tatsächlich erhält die 767 frühzeitig die Zulassung für die Querung großer Gewässer (ETOPS). So mausert sich die 767 in ihrer Karriere vom Mittelstrecken- zum Langstreckenflugzeug, das vorwiegend im Interkontinentalverkehr eingesetzt wird.. Seit Ende der 60er Jahre ist Boeing im Markt für Großraumflugzeuge nur mit dem übergroßen Jumbojet 747 vertreten. Mit der 767 schließt Boeing daher für das Segment von 200 bis 250 Passagieren eine Marktlücke und tritt dabei zunächst vor allem in Wettbewerb zum Airbus A 310. Mit dem um 6,50 Meter gestreckten Modell 767-300, das bis zu 316 Passagieren Platz bietet, wird aus dem Boeing Twinjet aber auch der interessanteste Nachfolger für die frühen Mittelstrecken-Großraumjets von McDonnell-Douglas (DC-10), von Lockheed (Tristar) und von Airbus (A300). Durch die 1999 nochmals verlängerte Variante 767-400ER mit Platz bis zu 375 Fluggästen wird die 767 sogar zum Wettbewerber für den Airbus A 330-200. Die 767-200 geht im September 1982 bei United Airlines in den Liniendienst. Die erste 767-300 nimmt im September 1986 die Japan Air Lines in Betrieb. Erstbesteller für die 767-400ER ist Delta Airlines, die die erste Maschine im Sommer 2000 übernimmt. Den Wünschen der Airlines nach einer noch größeren Variante der 767 begnet Boeing vergeblich mit zahlreichen Plänen, die u.a. sogar ein doppelstöckiges Rumpfheck vorsehen. Der schließlich akzeptierte Entwurf führt zu einem ganz neuen Flugzeug: der “Triple Seven.” (zuletzt bearbeitet am 1. Oktober 2000) |