Die Euro-Mission Nach dem Sprichtwort “Was lange währt, wird endlich gut” muß es das beste Luftfahrtunternehmen der Welt werden: Die Airbus SAS, Paris. Denn es hat über 30 Jahre gedauert, um die zersplitterte europäische Flugzeugindustrie zunächst in ein locker gefügtes Konsortium und dann endlich in ein normales Unternehmen zu verwandeln. Anfang 2001, so ist nun beschlossen, soll die neue Airbus Gesellschaft definitiv gegründet werden. Größter Anteilseigner mit 80 Prozent wird der neu geschaffene europäische Raumfahrtkonzern EADS (European Aeronautic Defence and Space Company), der aus dem Zusammenschluß von Aerospatiale Matra (Frankreich), Dasa (Deutschland) und Casa (Spanien) entstanden ist. Die verbleibenden 20 Prozent an Airbus wird die englische BAE Systems halten. Die größte Herausforderung dieser neuen Airbus SAS ist ihr bei ihrer Gründung gleich mit in die Wiege gelegt: Nun soll definitiv und endgültig auch der Airbus A 380 in die Lüfte gehoben werden, das größte zivile Flugzeug der Geschichte. Hier muß sich das junge Unternehmen gegen den Platzhirschen Boeing zum “Duell der Super-Jumbos” rüsten. In den vergangenen 30 Jahren hat das Airbus Konsortium auch ohne diese eindeutigen Besitzverhältnisse die großen amerikanischen Hersteller bereits erfolgreich herausgefordert. Lockheed und McDonnell Douglas haben das Handtuch geworfen. Heute ist Airbus neben Boeing der zweite große Flugzeughersteller der Welt und hält einen Marktanteil, der in guten Jahren in der Nähe der 50-Prozent-Marke liegt. Mitte der 60er Jahre versucht die damals reichlich zersplitterte europäische Flugindustrie der Herausforderung des Großraumflugzeugs zu begegnen, wie es in den Projekten zur Boeing 747 bekannt geworden ist. Die gemeinsamen Erörterungen führen schließlich - unter staatlicher Hilfe - zum Plan des A300 und zur Bildung des Airbus Konsortiums, das die Vermarktung des neuen Flugzeugs übernehmen soll. 1969 wird zwischen Frankreich und Deutschland der grundlegende Staatsvertrag für den Flugzeugbau geschlossen, 1970 folgt die Gründung der Airbus Industrie mit Sitz in Toulouse. Der Markteintritt des A300 erfolgt zu Beginn der 70er Jahre und damit recht unglücklich mitten in der Energiekrise, was zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten führt. 16 Monate lang wird kein einziges Flugzeug verkauft. Doch mit der wieder anziehenden Flugzeugkonjunktur kann sich Airbus mit seinen technisch fortschrittlichen Produkten immer besser am Markt durchsetzen. Allein die alten Eifersüchteleien zwischen den Führungspersonen und die nationalen Vorbehalte der dahinterstehenden Staaten verhinderten mehr als zwei Jahrzehnte lang, das Konsortium in einen veritablen Konzern umzuformen. Dennoch wird in den 80er und 90er Jahren das Programm kontinuierlich nach unten (A320) und nach oben (A330/340) ausgebaut. Mit dem ehrgeizigen neuen Projekt, dem Superjumbo A380 will Airbus nun auch die letzte verbliebene Domäne von Boeing brechen: das Monopol bei den Flugzeugen mit mehr als 500 Sitzen. (zuletzt bearbeitet am 25. Juni 2000) |