Eine glücklose “Concordski” Der spöttische Spitzname “Concordski” führt in die Irre: Die Tu-144 war keine nahempfunde Concorde und zeigte bei ähnlicher äußerer Anmutung doch deutlich andere technische Lösungen. Zweifellos aber war es der Sowjetunion mit der Entwicklung des Überschall- Verkehrsflugzeugs Tu-144 um einen Propaganda-Coup gegangen. Nicht zufällig führte die Tupolew daher ihren Jungfernflug am 31. Dezember 1968 und damit einige Monate vor der Concorde durch. Auch Mach 1 und Mach 2 erreichte die Tupolew um Monate eher als ihr westliches Gegenstück und sicherte der Sowjetunion damit den Titel, das erste Überschall-Verkehrsflugzeug in die Lüfte gehoben zu haben. Obwohl die Testreihe mit dem Prototypen nach offzieller Lesart problemlos verlaufen waren, mußte die Serienversion der Tupolew dennoch gründlich überarbeitet und in entscheidenden Punkten neu konstruiert werden. Die Triebwerks- Lufteinläufe wurden überarbeitet, die Fahrwerke verlegt, die Spannweite vergrößert. Zudem erhielt die Tupolew Canard-Vorflügel um die Flugeigenschaft im langsamen Flug zu verbessern. Im Betriebseinsatz konnte sich die Tupolew, die 140 Passagieren Platz bot, dennoch nicht bewähren. Am ersten November 1977 offiziell in Liniendienst gestellt, wurden die stolzen Vögel nach nur 102 Linienflügen schon am 1. Juni 1978 wieder aus dem Verkehr gezogen und eingemottet. Anlaß war ein schwerer Brand, der eine Maschine halbzerstört zur Notlandung zwang. Ursache waren aber grundsätzliche Probleme mit der Aerodynamik und Teilen der Bordsysteme. So blieb die Tupolew Tu-144 eine Episode, doch kann ihr den Erfolg, als erstes Überschall-Passagierflugzeug abgehoben zu sein, keiner mehr nehmen. Insgesamt wurden 17 Exemplare der Tu-144 gebaut. Im übrigen ist die Fortsetzung des russischen Überschalljets nicht ausgeschlossen. Tupolew arbeitet an einer weiterentwickelten Variante unter der Bezeichnung Tu-244, die bis 2010 in die Luft gehen soll. (zuletzt bearbeitet am 6. August 2000) |